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Scheidenpilz durch Stress

Wenn es bei Ihnen in der Scheide juckt und brennt und gleichzeitig ein Ausfluss zu spüren ist, kann ein Scheidenpilz Ursache hierfür sein. Immerhin ist bei gut einem Drittel der Frauen im gebärfähigen Alter die Scheide mit Hefepilzen besiedelt. Ob sich daraus eine sogenannte Vaginalmykose mit ihren Symptomen entwickelt, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Neben einer veränderten Scheidenflora können auch Veränderungen in Immunsystem und Hormonhaushalt dazu führen, dass sich die Pilze ungehemmt ausbreiten und das unangenehme Jucken, Brennen und den Ausfluss verursachen. Neuere Forschungen zeigten, dass sich auch psychische Belastungen und Stress auf die Scheidenflora negativ auswirken und eine Vaginalmykose fördern können. Hier erfahren Sie, was dabei im Körper passiert und geben Ihnen Tipps, wie Sie den Stress erfolgreich vermeiden können.

Frau gestresst hinter vielen Büchern

Der Zusammenhang von Scheidenpilz und Stress

In der Scheide jeder Frau befinden sich eine große Menge an Milchsäurebakterien, sogenannte Laktobazillen. Diese sorgen dafür, dass dort mit einem pH-Wert zwischen 3,8 und 4,4 ein saures Milieu herrscht und schützen somit vor vielen Krankheitserregern. Das funktioniert deshalb, weil viele der Erreger in diesem sauren Milieu nicht leben können und daher absterben. Leiden Sie unter langanhaltendem Stress oder anderen seelischen Belastungen, kann sich das auf die Anzahl der Laktobazillen auswirken. Je weniger dieser Laktobazillen in der Scheide sind, desto höher steigt automatisch der pH-Wert und Erreger haben deutlich leichteres Spiel. Damit können sich automatisch auch die Scheidenpilze unkontrolliert vermehren, so dass es zu einer Vaginalmykose kommen kann.

Die Ursache für Scheidenpilz

Fast alle Scheidenpilze sind Hefepilze. Sie mögen es feucht und warm und fühlen sich deshalb in der Scheide behaglich. In gut 90 Prozent aller Scheidenpilz-Infektionen ist Candida albicans, ein Hefepilz, dafür verantwortlich. Der Hefepilz Candida galbrata verursacht etwa 5 – 10 Prozent der Infektionen. Da die Hefepilze bei gut einem Drittel aller Frauen ohnehin in der Scheidenflora vorhanden sind, braucht es für eine Vaginalmykose oft keine neue Infektion. Solange sie vom sauren Scheidenmilieu der Milchsäurebakterien in Schach gehalten werden, passiert nichts. Kommt die Scheidenflora jedoch aus dem Tritt, können sich die Hefepilze vermehren und damit die Vaginalmykose auslösen.

Das Immunsystem wird durch Stress geschwächt

Ist die Scheidenflora intakt, hält sie die Anzahl der Hefepilze niedrig. Doch ein geschwächtes Immunsystem ist ein echter Risikofaktor für die Vaginalmykose. Ist das Immunsystem stark, hindern natürliche Schutzbarrieren mögliche Erreger wie Viren, Bakterien, aber auch Parasiten oder Pilze am Eindringen oder der Vermehrung. So verhindert beispielsweise auf der Haut ein Säureschutzmantel das Eindringen von Keimen, in der Magensäure werden Erreger zuverlässig abgetötet und das saure Milieu der Scheide schützt ebenfalls vor Infektionen. Dringen trotzdem Erreger in den Körper vor, kann dieser eine weitere Stufe seiner komplexen Abwehr starten und eine Infektion entweder verhindern oder sie bekämpfen. Ist das Immunsystem jedoch geschwächt, kann es mögliche Erreger nicht optimal abwehren.

Leiden Sie unter lang anhaltendem Stress oder sind Sie psychisch stark belastet, wirkt sich das ebenfalls auf Ihr Immunsystem aus. Durch Dauerstress sinkt die Anzahl der im Blut vorhandenen Immunzellen. Damit sind auch die Fresszellen weniger aktiv. Bakterien, Viren, Pilze und andere Erreger haben deutlich leichteres Spiel. Mit zunehmendem Stress steigt daher Ihr Risiko einer Scheidenpilzinfektion.

Stress beeinflusst das Immunsystem erheblich

Die körperlichen Abwehrkräfte werden durch Stress geschwächt. Dazu zählt beispielsweise

  • eine ungewöhnlich hohe Belastung durch die Arbeit
  • jede Art von emotionaler Ausnahmesituation wie Trauer, Trennung oder Angst
  • psychische Belastungen durch Burn-Out, Depression oder Angstzustände

3 elementare Alltagstipps gegen den Stress

1. Körperliche Bewegung als Ausgleich

Körperliche Bewegung und Sport ist ein wunderbares Mittel, wenn Sie Stress abbauen wollen. Dabei können Sie zwischen ganz unterschiedlichen Sport- und Bewegungsarten wählen: Sie können im Wald walken oder laufen, mit dem Fahrrad fahren, Gymnastik, Fitness oder Schwimmen betreiben. Sie sollten sich dabei am besten täglich für eine halbe Stunde im Freien bei Tageslicht bewegen. Durch die körperliche Betätigung wird der Kopf frei und der alltägliche Stress abgebaut.

2. Progressive Muskelentspannung gegen den Stress

Edmund Jacobson hat ein aktives Programm zur Entspannung entwickelt, das Ihnen gut gegen Stress helfen kann. Es lässt sich relativ schnell und leicht erlernen, ob mit Anleitung oder ohne. Sie spannen in dieser progressiven Muskelentspannung jede Muskelgruppe für etwa 10 bis 15 Sekunden einzeln und gezielt an, von den Füßen bis zum Kopf. Anschließend lösen Sie die Muskelanspannungen und spüren für 30 bis 45 Sekunden der Entspannung nach.

3. Ausgewogen und gesund ernähren

Auch Ihre Nerven brauchen gute Nahrung, wenn sie gegen Stress bestehen sollen. Ihre mentale und körperliche Fitness können Sie durch gesunde Ernährung erheblich verbessern. Gut für die Nerven und gegen den Stress sind Nahrungsmittel wie Obst und Gemüse, aber auch Hülsenfrüchte und Nüsse. Achten Sie auch darauf, dass Sie ausreichend trinken.

Wissenschaftler sehen den Zusammenhang zwischen Stress und Immunschwäche

Zwischen den einzelnen Systemen im menschlichen Körper gibt es vielfältige Kommunikation, von der zwar schon vieles, jedoch noch nicht alles bekannt ist. Ist das Nervensystem durch Stress belastet, schickt es neurochemische Signale zum Hormon-, aber auch zum Immunsystem. Ebenso kann das Immunsystem die anderen Systeme beeinflussen. Daher ist sich die Forschung einig, dass Stress jeglicher Art, ob akut oder chronisch, ob körperlich oder psychisch, auch einen Einfluss auf das Immunsystem ausübt. Somit ist bei erhöhtem Stress auch die Anfälligkeit für Infektionen deutlich größer.
Quelle: https://www.aerzteblatt.de/archiv/35552/Psychoneuroimmunologie-Stress-erhoeht-Infektanfaelligkeit

Auch genetische Ursachen sind möglich

Wie widerstandsfähig oder anfällig ein Immunsystem ist, kann durchaus genetisch bedingt sein und beispielsweise von der Mutter auf die Tochter vererbt werden. Sind Sie häufig krank, verschreibt Ihnen der Arzt möglicherweise öfter Antibiotika. Das kann auch die vermehrte Infektion durch Candida albicans begünstigen. Doch selbst wenn Sie Ihre Anfälligkeit gegenüber Infekten von Ihren Eltern vererbt bekamen, können Sie Ihr Immunsystem stärken. Beachten Sie einfach die oben genannten Tipps zum Stressabbau. Gesunde Ernährung, regelmäßige Bewegung an der frischen Luft und Entspannungsübungen können dabei sehr hilfreich sein. Verzichten Sie außerdem auf Zigaretten und Alkohol, stärken Sie ebenfalls Ihr Immunsystem.

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By | 2020-11-18T09:56:36+00:00 10.11.2020|