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Bakterielle Vaginose – Ursachen & Symptome

Die bakterielle Vaginose bezeichnet ein Ungleichgewicht in der mikrobiologischen Besiedlung der Scheidenflora und ist eine weitverbreitete Erkrankung des weiblichen Genitaltrakts: Etwa 15 % der erwachsenen Frauen haben schon mindestens einmal damit Bekanntschaft gemacht. Im gesunden vaginalen Biotop sorgen Milchsäurebakterien für charakteristische Umgebungsbedingungen: Sie verwerten den in den Scheidenzellen eingelagerten Zucker und setzen im Gegenzug Milchsäure frei. Beeinflusst vom bakteriellen Stoffwechsel entwickelt sich ein saures Milieu mit einem niedrigen pH-Wert zwischen 3,8 und 4,4. Die Wirkung einiger Lactobacillus-Stämme reicht allerdings noch weiter: Neben der Produktion von Milchsäure gilt die Abgabe von Wasserstoffperoxid (H2O2) als wichtiges Merkmal ihrer Aktivität.

Bakterielle Vaginose - Frau hält sich Intimbereich

© SENTELLO / Fotolia

Ursachen – Wie entsteht die bakterielle Vaginose?

Eine bakterielle Vaginose entsteht, wenn wertvolle Milchsäurebakterien sich unerwartet aus der Scheidenflora zurückziehen. Ihr Niedergang geht mit einer Schwächung der natürlichen Abwehrmechanismen einher. In der Folge können Krankheitserreger sich verstärkt im vaginalen Biotop ausbreiten. Unter den unerwünschten Eindringligen sind Angehörige unterschiedlicher Bakterienstämme. Die krankmachenden Keime sind mitunter auch bei gesunden Frauen in der Scheidenflora nachweisbar, allerdings in viel geringerer Anzahl. Dafür sorgen normalerweise die Milchsäurebakterien, die ein saures und damit für die Krankheitserreger lebensfeindliches Milieu erzeugen. Wenn jedoch zu wenige Milchsäurebakterien vorhanden sind, gewinnen die pathogenen Bakterien die Oberhand. In den meisten Fällen besiedelt zunächst ein Keim namens Gardnerella vaginalis die Zellen der Scheidenschleimhaut.

Als einer der wichtigsten Störenfriede mit negativem Einfluss auf das mikrobiologische Gleichgewicht in der Scheidenflora gilt Stress. Wenn Probleme im privaten und beruflichen Umfeld langfristig unverarbeitet bleiben, begünstigt die Dauerbelastung die Entstehung einer bakteriellen Vaginose. Die Dysbalance kann darüber hinaus als Begleiterscheinung hormoneller Veränderungen auftreten oder auf einen Vitalstoffmangel zurückgehen. Dabei leidet das vaginale Ökosystem in erster Linie unter dem Niedergang H2O2-bildender Lactobacillus-Stämme. Wenn deren Mitglieder ihren angestammten Platz in der Vaginalflora räumen, bekommen unerwünschte Keimfamilien Gelegenheit, das Territorium zu erobern. Bakterien der Gruppe Gardnerella vaginalis spielen bei der Entstehung einer bakteriellen Vaginose eine entscheidende Rolle. Die medizinische Forschung konnte allerdings zeigen, dass auch weitere Bakteriengattungen den Lebensraum zurückweichender Laktobazillen einnehmen. Viele der pathogenen (krankmachenden) Keime leben vorwiegend anaerob, also unter Ausschluss von Sauerstoff. Einige von ihnen gehören als kleine, vielgestaltige Bakterien ohne Zellwand zur Gruppe der Mykoplasmen. Die Erreger schließen sich zu einem engen Verbund zusammen, der als hartnäckiger Biofilm an den Zellen der Scheidenschleimhaut haftet.

Bakterielle Vaginose – Symptome erkennen und behandeln

Damit Sie die richtigen Mittel für die Behandlung auswählen, ist es wichtig, dass Sie anhand typischer Symptome die bakterielle Vaginose erkennen.

Symptome, die häufig auftreten

Das sicherste Anzeichen für eine bakterielle Vaginose sind Symptome, die sich im Zusammenhang mit einem veränderten Scheidenausfluss zeigen. Die Bildung von Vaginalsekret gehört zu den normalen Körperfunktionen jeder Frau. Täglich entstehen etwa 5 ml Ausfluss (Fluor vaginalis) von weißlicher Farbe und meist cremiger Konsistenz.

In einem gesunden Vaginalmilieu ist die Absonderung stets geruchlos und besteht aus unterschiedlichen Stoffen wie

  • Zellen der Scheidenschleimhaut,
  • Flüssigkeit, die aus feinsten Blutgefäßen (Kapillaren) austritt,
  • Mikroorganismen der Scheidenflora,
  • Drüsenflüssigkeit des Gebärmutterhalses.

Bei einer durch Bakterien verursachten Entzündung der Scheide weist der Ausfluss die folgenden veränderten Merkmale auf:

  • Er tritt deutlich vermehrt auf.
  • Er ist dünnflüssig.
  • Teilweise zeigt sich auch Schaum.
  • Er ist nicht mehr klar oder milchig, sondern grau-weiß.
  • Er riecht unangenehm nach Fisch.

Bereits an einem Scheidenausfluss, der diese Merkmale aufweist, können Sie eine bakterielle Vaginose mit hoher Wahrscheinlichkeit erkennen.

Symptome, die selten auftreten

Die meisten infizierten Frauen zeigen, abgesehen vom charakteristischen Ausfluss, keine weiteren Krankheitsanzeichen. Ein Juckreiz oder Schmerzen im Intimbereich sind keine für die bakterielle Vaginose typischen Symptome. Dennoch können sie auch im Zusammenhang mit dieser Erkrankung vereinzelt auftreten. Sofern Schmerzen spürbar sind, werden diese typischerweise beim Wasserlassen oder beim Geschlechtsverkehr stärker.

Symptome, die der Gynäkologe sieht

Wenn eine Frau ihren Gynäkologen zurate zieht, um die bakterielle Vaginose zu erkennen, dann wird dieser einen Abstrich von der Scheidenschleimhaut machen. Das Präparat wird anschließend unter einem hochauflösenden Mikroskop untersucht. Dort kann der Arzt die einzelnen Zellen der Schleimhaut sehen. Außerdem sieht er, ob diese mit Gardnerellen besiedelt sind. Wenn das der Fall ist, handelt es sich sehr wahrscheinlich um eine bakterielle Scheideninfektion.

Gut zu wissen:

Es gibt Frauen, bei denen die bakterielle Vaginose ohne Symptome (asymptomatisch) verläuft, das heißt, sie zeigen keinerlei Krankheitsanzeichen. Trotzdem kann der Gynäkologe bei der halbjährlichen Routineuntersuchung eine eventuelle bakterielle Vaginose erkennen.
Eine sanfte, aber wirksame Methode, um die durch bakterielle Vaginose auftretenden Symptome zu behandeln, besteht in der örtlichen Anwendung eines Milchsäurepräparats. Darüber hinaus hilft die Zuführung medizinisch aufbereiteter Milchsäurebakterien bei häufig auftretenden Infektionen, einem Wiederaufflammen der Infektion vorzubeugen. Laktobazillen der Familie Lactobacillus plantarum P17630 leisten der Scheidenflora Hilfe zur Selbsthilfe und unterstützen die Wiederherstellung des mikrobiologischen Gleichgewichts. Sie erhalten die Präparate rezeptfrei in der Apotheke und im Online-Handel.

Funktionen der Keimabwehr in der Scheide

Der pH-Wert des Scheidensekrets schwankt etwas von Frau zu Frau, bleibt aber in der Regel in einem sauren Bereich zwischen 3,8 und 4,4. Der charakteristisch niedrige Wert gilt als Kennzeichen eines intakten mikrobiologischen Gleichgewichts in der Scheidenflora. Dabei gehen die typischen Merkmale des vaginalen Mikroklimas auf die Aktivität von Milchsäurebakterien (Laktobazillen) zurück.

  • Die im vaginalen Biotop vorherrschenden Keime verwerten in den Scheidenzellen eingelagerten Zucker und setzen dabei Milchsäure frei.
  • Unter dem Einfluss des bakteriellen Stoffwechsels kommt es zu dem typisch niedrigen pH-Wert.
  • Ein pH-Wert von weniger als 4,5 bekämpft krankmachende Keime.
  • Einige Lactobacillus-Stämme geben zusätzlich Wasserstoffperoxid (H2O2) ab und wirken damit ebenfalls desinfizierend gegenüber potenziell krankmachenden Keimen.

Ist die Stellung der Laktobazillen in der Scheidenflora bedroht, gehören Veränderungen des Fluors zu den ersten Anzeichen eines mikrobiologischen Ungleichgewichts.

Zweifach wirksames Abwehrsystem durch Laktobazillen

Die Stoffwechseltätigkeit der Milchsäurebakterien bildet die Grundlage für die Mechanismen der Keimabwehr in der Scheide:

  • Der niedrige pH-Wert von weniger als 4,5 wirkt gegen unerwünschte Keime
  • Das freigesetzte Wasserstoffperoxid entfaltet desinfizierende Effekte.

Das doppelt gesicherte Verteidigungssystem hält potenziell krankmachende Erreger in Schach, die beim Geschlechtsverkehr oder durch Schmierinfektionen aus dem Bereich des Darms in die Vaginalflora gelangen. Die Abwehrfunktionen arbeiten perfekt, solange die Laktobazillen ihre Vorrangstellung im Scheidenmilieu behaupten können. Zwingen ungünstige Umgebungsbedingungen die nützlichen Keime zum Rückzug, gewinnen unliebsame Eindringlinge die Oberhand. Es entwickelt sich das mikrobiologische Ungleichgewicht einer bakteriellen Vaginose. Die Ursachen für den Niedergang wertvoller Milchsäurebakterien sind nicht vollständig geklärt. Demgegenüber sind die Begleiterscheinungen der Erkrankung durchaus bekannt: In etwa der Hälfte der Fälle entwickeln sich typische Symptome wie ein verstärkter, unangenehm riechender Ausfluss von weißlich-grauer Farbe und dünnflüssiger Konsistenz. Darüber hinaus steigt der gewöhnlich niedrige pH-Wert der Scheide und überschreitet eine Grenze von 4,4.

Bakterielle Vaginose: Woher kommen unerwünschte Keime?

Die bakterielle Vaginose ist keine Geschlechtskrankheit im engeren Sinne. Die Wahrscheinlichkeit, dass krankmachende Keime beim Geschlechtsverkehr in die vaginale Mikroflora gelangen, ist zwar hoch. Gleichwohl lassen sich potenzielle Übeltäter mitunter auch bei gesunden und bei sexuell (noch) nicht aktiven Frauen nachweisen. Bei ungefähr einem Fünftel der Patientinnen ist eine Verbindung zwischen Störungen der Mundflora bei Zahnfleischentzündungen und einer bakteriellen Vaginose herstellbar. Die mikrobiologische Dysbalance im Scheidenmilieu ist selbst zwar keine entzündliche Erkrankung, kann eine solche aber begünstigen. Es besteht insbesondere die Gefahr aufsteigender Infektionen, die der Gesundheit höher gelegener Geschlechtsorgane zusetzen können.

Übertragung und Ansteckung

Eine bakterielle Vaginose kann durch Geschlechtsverkehr übertragen werden. Ein großes Risiko stellt der unmittelbare Wechsel von Analverkehr auf Vaginalverkehr da. Aber auch der ganz normale Geschlechtsakt kann eine Übertragung begünstigen. Sexuell aktive Frauen tragen in ihrer gesunden Scheideflora einen kleinen Anteil Erreger der bakteriellen Vaginose, Männer tragen diese Erreger in der Harnröhre. Männer haben in den meisten Fällen keine Symptome, somit erkennen Männer nicht, dass sie eine Ansteckungsgefahr darstellen könnten.

Trotz dieser Risiken ist der Geschlechtsakt keine klassische Ansteckungsquelle, denn auch wenn die Erreger übertragen werden, heißt es nicht sofort, dass die Scheidenflora angegriffen wird und die Frau an einer bakteriellen Vaginose erkrankt. Erst wenn sich die Erreger stark vermehren und die gesunden Milchsäurebakterien (Laktobazillen) verdrängen, dann erst kommt es zu einem Ungleichgewicht in der Scheide.

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2018-07-30T09:02:37+00:00